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Das Labyrinth
II, Holyland Church, Berlin 2000 |
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Das
Labyrinth I, CCF Beirut, 2000
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Secrets
Of Gods, 1994 |
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Témoigner,
Mathias Flügge (german)
Le sommeil de la raison, Joseph
Tarrab (german)
Victims in the Shadow of Account
– A Story Behind the Pictures of Salah Saouli,
Harald Friecke
Nur ein Hauch von Verlust, Katrin
Bettina Müller
The Way We’ve Always Done
Before, Michael Wollenheit
Energetic Depots – On the
New Works of Salah Saouli, Stefan
Rasche (german)
Some say that writing poetry is
impossible after Auschwitz, Wilhelm
Gauger
Wir wollen wieder gesehen werden
und euch sehen können, Wilhelm
Gauger
Le mot secret, Abbas
Beydoun
Obsession by Salah Saouli,
Heleen
Buijs
Supperpositions, Reiner
Höynck (german)
Das Labyrinth, Stefan
Rasche
Prof. Dr. Wilhelm Gauger
Wir wollen wieder gesehen werden und euch sehen können!
Sehen
und Gesehenwerden, Nichtsehen, Nichtgesehenwerden…
Seit vielen Jahren werden Menschen vermisst; man weiß
nicht, wohin sie entführt wurden, weiß kaum,
von wem, weiß oft auch nicht, warum, und man weiß
vielfach nicht, ob sie überhaupt noch leben. Dass
Menschen- aus welchen Gründen auch immer- andere
wegnehmen und isolieren, wird, so hoffen wir, eines
Tages auch denen rätselhaft sein, die es taten.
Die Vermissten werden nicht gesehen und sehen nichts
von denen, zu denen sie gehören. Es ist ein richtiger
Gedanke, auch diese Ausstellung auf Sehen und Zeigen
und Gesehenwerden abzustellen. Die Vermissten schauen
von den Leuchtkästen an der Wand auf uns, als wenn
sie uns sähen, und ausweichen können sie auch
unserem Blick nicht. Manche schauen zur Seite; da ist
die Begegnung weniger direkt, aber in allem ist ein
Aufruf: wir wollen wieder gesehen werden und euch sehen
können!
In anderen Fällen müssen wir die Vermissten
selbst mit unseren Blicken suchen: sie sind in kästen
versteckt, und wenn wir sie dort sehn, ist es wie ein
Besuch in der Zelle. Wiederum: was einzeln ist, ist
auch ein gemeinsames Schicksal. In einer Dia-Show leuchten
Gesichter auf, verschwinden, wechseln, überdecken
sich in unendlichen Kombinationen- jede, jeder einzelne
ist nur ein Reflex in einem Meer von Leid.
Was hat da Kunst zu suchen? Immer, noch im stärksten
Nihilismus, lebt die Kunst von einem Überfluss,
von etwas, das mehr als Not und Notwendigkeit ist, und
sie will sich nur selten an einen Auftrag binden lassen.
Kunst, so heißt es, muss man sich leisten können.
Und doch haben sich Menschen noch in Lagern und Zellen
künstlerisch betätigt.
Ein gewissen, so hören wir seit kurzem, muss man
sich auch leisten können- und doch sind selbst
unter den schlimmsten Umständen, auf der Flucht,
in der Gefangenschaft, wo selbst unter den Leidenden
Kämpfe, Denunziationen und Rivalitäten aufkommen,
immer wieder spontane Akte des Anstandes, der Ehrlichkeit,
der Hilfe, des Teilens und des Schutzes Möglich.
Es
gibt etwas Menschliches das sich nicht unterdrücken
lässt. Und Oscar Wilde, der vehementeste Vertreter
eines Kompromisslosen Ästhetizismus, hat auch eine
Reihe von Erzählungen geschrieben, in denen die
Verantwortung von Menschen für Menschen auf der
Basis von Liebe, Verstehen und Mitbetroffensein zu Worte
kommt. Nun lässt sich Menschliches nicht schematisch
auf ein einheitliches Prinzip zurückführen;
da bleiben viele Konflikte. Auch das Gewissen und die
Kunst können in Streit geraten, wenn die künstlerische
Aufrichtigkeit etwas anderes verlangt als die ethische.
Beide decken sich nicht, überschneiden sich aber
oft genug. Auf dieser Ausstellung kommen die beiden
Überflüssigkeiten, das mitmenschliche Gewissen
und die Kunst zusammen.
Aber
nicht einmal bei einer solchen Gelegenheit darf eine
der beiden sich an das andere ausliefern, darf die Kunst
nicht weinerlich oder wortreich anklagend werden. Das
wäre zu einfach. Und so ist es auch nicht. Diese
Ausstellung konfrontiert uns mit dem, was wir beklagen.
Mehr noch-: sie lässt uns teilhaben. Selbst wenn
keine unmittelbare Hilfe möglich ist, führt
sie uns vor Augen, unerbittlich. Immerhin können
wir sehen, so tun, als ob, und Kunst wie Gewissen sind
Dinge, die aus der Hoffnung leben. Wollen wir sie aufgeben?
Auch eine Geste kann ein Gebet sein. Und sie macht uns
etwas bekannt.
Diese
Ausstellung wühlt einen auf, und angesichts dessen,
was sie uns zeigt, liegt es sehr nahe, in Hass auf die
berechnenden Menschen zu verfallen, die für das
Leiden verantwortlich sind, aber auch die, die hier
in vollem Wissen schweigen. Da ist natürlich und
doch durch und durch falsch; denn gerade Hass hat ja
zu allem geführt. Hass selbst ist ein Gefängnis,
und die Welt ist voll von Hass und Anklagen. Und wie
viel Hass entsteht aus dem Gefühl der Hilflosigkeit!
So viel aber kann gesagt werden: in diese Schaukästen
und Projektionen gehören auch die unbekannten Verantwortlichen
für die Entführungen, nicht in Gestalt von
Steckbriefen, sondern als Gefangene ihrer selbst, wo
immer sie stehen mögen.
Time-out
Katalog, 1994
Herausgegeben von der Galerie vierte -Etage anlässlich
der Ausstellung „Time-out“, Berlin
© Salah Saouli, die Autoren, Galerie vierte -Etage
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